NDR-Mess- und Empfangsstation Wittsmoor

Radiosender im Kreis Pinneberg

Koordinaten: 53° 37′ 38,6″ N, 9° 43′ 25,1″ O

Karte: Hamburg
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NDR-Mess- und Empfangsstation Wittsmoor
NDR-Sendemast Wittmoor bei Wedel (2007)

Nach Gründung der ARD durch Zusammenschluss der deutschen Landesrundfunkanstalten im Juni 1950 wurde Mai 1951 vom NWDR eine gemeinsame Mess- und Empfangsstation zur Überwachung der Rundfunkbänder in Betrieb genommen.[1] Sie war in Holm (Kreis Pinneberg) im Wittmoorweg[2] (Flurname „Wittmoor“)[3][A 1] eingerichtet worden und trug die offizielle Bezeichnung „Mess- und Empfangsstation Wittmoor“. In dieser Zeit wurde in Deutschland ein massiver Ausbau des UKW-Rundfunk- und Fernsehsendernetzes begonnen.

Der 1950 errichtete Empfangsstahlmast (80 m) wurde Anfang 2003[4] vom NDR abgebrochen und durch den 1998[5] montierten größeren Stahlfachwerkmast (118 m) ersetzt. Zeitgleich bestand in Deutschland kein Bedarf mehr an den ursprünglichen „Meß- und Empfangsprüfungen“, auch wurden Ende 1998 alle Küstenfunkdienste abgeschaltet.

Die Sendestation trägt heute die Bezeichnung „Sender Wedel“ bzw. „Holm-NDR-Technikzentrum Wittmoor“, beherbergt in mehreren Gebäuden ein großes Archiv von Tonträgern und dient zur Ausstrahlung des NDR-Radioprogramms von N-Joy (95,6 MHz; 0,2 kW ERP in südwestl. Rtg.) sowie eines DVB-T-Bouquets (530 MHz; 25 kW). Seit dem 30. Juni 2022 wird zusätzlich ein NDR-Bouquet im DAB-Plus-Standard über diesen Sendemast im Block 10C (213,36 MHz) ausgestrahlt.

Die NDR-Mess- und Empfangsstation Wittmoor veröffentlichte für die Jahre 1967 bis 2005 alljährlich als Broschüre eine aktuelle Frequenzliste aller deutschen Sendestationen unter dem Titel Hörfunk- und Fernsehsender in der Bundesrepublik Deutschland.[6] Anders als das Verzeichnis der Ton- und Fernseh-Rundfunksendestellen in der Bundesrepublik Deutschland der Deutschen Bundespost (ca. 1960 bis 1993)[7] verzeichnete die sogenannte Wittmoor-Liste in einem Anhang auch Sender in der DDR, dafür aber keine Koordinaten. Fortgeführt wurde die Wittmoor-Liste bis Juni 2018 vom Institut für Rundfunktechnik (München) kostenfrei im Internet.[8]

Frequenzen und Programme

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Analoger Hörfunk (UKW)

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Frequenz
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
95,6 N-Joy _N-JOY__ D385 0,2 H

Digitaler Hörfunk (DAB+)

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Seit dem 30. Juni 2022 wird von dem Sender der DAB+ Block des Norddeutschen Rundfunks ausgestrahlt.

Block Programme
(Datendienste)
ERP
(kW)
Antennen-
diagramm

rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
10C
NDR SH NOR
(D__00393)[9]
DAB+ Block des Norddeutschen Rundfunks: 10 D Bad Oldesloe-Meddewade, Bad Segeberg, Henstedt-Ulzburg, Wedel


Digitales Fernsehen (DVB-T2)

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Die DVB-T2-Ausstrahlungen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Standorten.

Kanal Frequenz
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP
(kW)
Sendediagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate
(MBit/s)
SFN
23 490 ARD Digital H 64-QAM
(16-k-Modus)
1/2 19/128 18,2 Heinrich-Hertz-Turm, Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Hamburg-Moorfleet, Wedel (Wittsmoor)
41 634 ARD regional (NDR) H 64-QAM 
(16-k-Modus)
1/2 19/128 18,2 Heinrich-Hertz-Turm, Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Hamburg-Moorfleet, Wedel (Wittsmoor)

Einzelnachweise

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  1. ARD-Pressemeldung vom 10. Mai 1951
  2. Beschilderung
  3. Landschaftsplan der Stadt Wedel (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive). (PDF; 8 MB).
  4. Fotos der NDR Mess- und Empfangsstation Wittmoor März/April 2003
  5. Errichtung neuer Sendemast 1998
  6. ZDB-ID 155070-6
  7. ZDB-ID 1166759-x, 1993 unter dem Titel Terrestrischer Rundfunk (FTZ 17 AB 11), ZDB-ID 2055198-8
  8. DVB-T2/AM-Hörfunksender/UKW-Hörfunksender/DAB-Hörfunksender. - Die Liste wird nur in größeren Zeitabständen aktualisiert.
  9. DAB+–Empfangsprognose für Schleswig-Holstein. (PDF; 2,0 MB) NDR; abgerufen am 25. November 2022.
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Anmerkungen

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  1. Offizielle Flurbezeichnung war im Jahr 2009 „Wittmoor“. Es ist wahrscheinlich, daß der ursprüngliche Flurname „Wittmoor“ zur Unterscheidung von dem nur 25 km nordöstlich gelegenen und geschichtsbelasteten „Wittmoor“ nach 1945 in „Wittsmoor“ umbenannt worden war. Minderwertiger „Weißtorf“ heißt im Platt- und Niederdeutschen allgemein „Wittmoor“ bzw. „Plaggtorf“ und ist in allen norddeutschen Torf- und Moorgebieten als oberste Schicht anzutreffen.