Erneut Hand in Hand: der Schreib- und der Miniaturenwettbewerb

Jungen und Mädchen bereiten sich vor für den Schreibwettbewerb, …
… und starten dann mit moderneren Schreibgeräten durch.

Nach dem sehr erfreulichen Start der zeitlichen Zusammenlegung des seit langen Jahren etablierten Schreibwettbewerbs mit dem deutlich jüngeren Miniaturenwettbewerb wird dieses Duo auch in die nächste Runde starten. Ab dem morgigen 1. März sind alle Wikipedianer aufgerufen, sich am friedlichen Wettstreit der Autoren auf zwei Spielfeldern zu beteiligen und den kommenden Monat zu einem Monat der Glanzstücke für unsere Wikipedia zu machen. Artikel können sowohl in je einem als auch parallel in beiden Wettbewerben teilnehmen.

Im Schreibwettbewerb, dem „old man“ der Wikipedia-Autorenwettbewerbe, geht es wie gehabt um nicht weniger als die Auszeichnung der besten Artikel des Wettbewerbs. Die Bewertung aller Einreichungen erfolgt durch eine achtköpfige Jury, die die eingereichten Artikel der vier Sektoren liest, bewertet und darauf aufbauend eine Top10 für alle Artikel und je eine Sektionsreihung vornimmt. So werden auf eine „spielerische“ Weise Artikel aus einer Reihe eingereichter Vorschläge gekürt. Der Gewinner des letzten Schreibwettbewerbs zeigt dabei, dass auch Themen eine Chance haben, die nicht dem klassischen Wissenskanon entstammen: Der Artikel God of War konnte sich gegen alle anderen Einreichungen durchsetzen. Aber trotz des hohen Anspruchs an die Gewinner sollte man sich nicht abschrecken lassen, dabei sein ist alles und manchmal kann auch ein recht kurzer Artikel ein Juwel sein, das die Jury überzeugt.

Der Miniaturenwettbewerb findet mit eigenen Regeln statt, um auch Autoren zu motivieren, die sich eher auf kleinere Perlen konzentrieren möchten. Er richtet sich an Autoren, die sich den sehr hohen Ansprüchen des Schreibwettbewerbs noch nicht stellen möchten oder eher eine Möglichkeit suchen, eine kleinere Artikelperle zu schleifen. Hier können kurze Artikel nominiert werden, die Beurteilung erfolgt über die Community.

Alles nichts für euch? Ihr wollt lieber freier entscheiden, wie ihr euch von Tag zu Tag durch die Wikipedia arbeitet und mal hier, mal dort mit Ergänzungen an bestehenden Artikeln vornehmen oder mit nicht ganz so ambitionierten Neuanlagen von Artikeln glänzen. Dann nutzt die Chance, noch im März in den WikiCup 2016 einzusteigen und den Monat zu nutzen, in die nächste Runde zu kommen.AR, 29.02.2016

Die Wikipedia und die Wahrheit

Ich weiß nicht mehr, wann ich gelernt habe, dass es DIE Wahrheit nicht gibt. Irgendwann als Jugendliche, nehme ich an. Woran ich mich erinnern kann, ist ein Dozent, der uns weismachen wollte, dass die meisten Menschen noch an die Existenz einer unabhängigen, nicht-subjektiven Wahrheit glauben. In seinen Worten lebte ein Großteil der Menschheit damit geistig weiter im Mittelalter. Ich hielt und halte diese seine Wahrheit bis heute für extrem arrogant. Dennoch denke ich in den letzten Tagen beim Lesen der Wikipedia oft an ihn. Der Begriff „Wahrheit“ wird hier derzeit ziemlich oft gebraucht und auch missbraucht.

„Dass ist doch die Wahrheit, das wird man wohl noch sagen dürfen!“ Wenn dieser Satz am Stammtisch oder auf einer Pegida-Demonstration fällt, wenden wir uns mit Grausen. Es ist offensichtlich, dass die Aussagen, die davor oder danach kommen, nur durch Rassismus, Sexismus oder andere extreme Brillen sichtbare Wahrheiten sind.

Seltsamerweise finden sich Variationen dieses Satzes immer wieder auf Seiten in der Wikipedia, bei denen es um Konflikte zwischen Usern geht, wie der Vandalismusmeldung, der Sperrprüfung oder gerne auch mal rund um die Löschdiskussionen. Sie werden verwendet, um persönliche Diffamierungen anderer User oder die Herabsetzung ihrer Arbeit zu rechtfertigen. Das Spektrum der Angriffe, die damit verteidigt werden, reicht von den klassischen Beleidigungen wie „Scheiße“ über das Unterstellen böser Absichten („Stalkt mich“, „möchte den Artikel zerstören“, „hat einen massiven Interessenskonflikt“) bis zu recht subtilen Unterstellungen („kann bekanntermaßen leider nicht anders“, „ist verständlicherweise in dieser Hinsicht befangen und damit ungeeignet“). Wird eine solch „wahre“ Diffamierung entfernt, finden sich schnell User, die etwas von Zensur rufen und darauf bestehen, diese Aussage sei doch schließlich „wahr“. Ich verlinke hier absichtlich keine Beispiele, mir geht es nicht darum einzelne Nutzer bloß zu stellen. Die Dynamik kennen sicher alle, die regelmäßig auf den Metaseiten aktiv sind.

Ich frage mich, warum es ausgerechnet in einem Medium, das ja alleine durch seine Existenz offen legt, dass es mehr als eine Wirklichkeit und damit notwendigerweise viele Wahrheiten gibt, immer wieder zu diesem massiven Beharren auf der eigenen subjektiven Sicht als Wahrheit gibt. Und ich frage mich auch, warum all diese Wahrheiten überhaupt gesagt werden müssen - noch dazu oft in Worten, die deutlich der Wikiquette widersprechen.

Wir arbeiten hier alle immer wieder an der Erschaffung gemeinsamer Realitäten. Lasst sie uns differenzierter und vor allem freundlicher gestalten!Kri, 28.2. 2016

12. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten – der Treffpunkt für ehrenamtliche Historiker

Die Fakultät Informatik der TU Dresden

Bereits zum zwölften Mal fand am Wochenende vom 27. bis 28. Februar 2016 der Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten statt. Erneut war der Andreas-Pfitzmann-Bau (Fakultät Informatik) der Technischen Universität Dresden Treffpunkt für ehrenamtliche Historiker aus Dresden und der Umgebung. Sie präsentierten ihre Arbeiten und Forschungen zur Dresdner Industriegeschichte.

Dresdner Wikipedianer waren bereits zum fünften Mal mit einem Stand, direkt neben den Kollegen vom Stadtwiki Dresden, vertreten. Viele interessierte Leser /Nutzer der Wikipedia stellten Fragen zur Qualität von Wikipedia-Artikeln, zur Verwendung von Bildern und Texten und zum Unterschied zwischen der Arbeit des Stadtwikis und der Wikipedia.

Besonderes Interesse fand auch die Wandzeitung zu den Artikeln Chemische Fabrik Helfenberg und der Firma Kelle & Hildebrandt.

Viele der Besucher am Stand klagten im persönlichen Gespräch ihr Leid über den schwierigen Einstieg in die Wikipedia, Probleme mit den Bildlizenzen („Gibt es da keine leicht verständliche Erklärung?“) und Enttäuschungen durch Löschanträge. Vielfach herrscht aber immer auch noch ein falsches Verständnis von Wikipedia: „Sie sind doch das Internet?“ oder „Sie machen doch das Internet“ waren häufig gestellte Fragen.

Gedankt sei den Wikipedianer, die am Wochenende die Standbetreuung übernommen haben und den fragenden Besuchern mit Rat und Tat zur Seite standen. Viele Eindrücke vom 12. Markt für Dresdner Geschichte und Geschichten finden sich in der Commonscat zum Geschichtsmarkt 2016. DCB, 28.02.

Niemand hat die Absicht, eine Suchmaschine zu bauen

WMF-Direktorin Lila Tretikov im Sommer 2015 auf der Wikimania in Mexiko

Lila Tretikov wollte vor allem die Website Wikipedia und die damit zusammen­hängende Software modernisieren. Bei der Subvention durch die Knight Foundation geht es um eine Suchmaschine, so viel lässt sich mit Sicherheit sagen. Was genau aber soll geleistet und erforscht werden, und warum wird das Projekt „Knowledge Engine by Wikipedia“ so heftig kritisiert?

Es sei vorweggenommen, dass die Knight Foundation die eher begrenzte Summe von 250.000 Dollar genehmigt hat. Den Großteil des Projekts zahlt auf jeden Fall die Wikimedia Foundation aus den Spendengeldern. Unterschrieben hat das Grant Agreement ein Vertreter der Knight Foundation im September, die WMF-Direktorin Lila Tretikov im November 2015.

Im Kontext der Wikipedia kann man sich in puncto „Suche“ generell mehrere Dinge vorstellen:

  1. Verbesserung der heutigen Suchfunktion: Wer heutzutage etwas bei wikipedia.org, wikipedia.de oder de.wikipedia.org sucht, erhält Ergebnisse aus der Wikipedia (normalerweise aus einer bestimmten Sprachversion).
  2. Suchportal für Wikimedia-Inhalte: Die Suche bei wikipedia.org usw. könnte auch zu einem Portal werden, mit dem man Ergebnisse aus anderen Wikimedia-Wikis erhält. Wer in der deutschsprachigen Wikipedia nach „Sehenswürdigkeiten Köln“ sucht, freut sich wohl auch über einen entsprechenden Wikivoyage-Artikel.
  3. Suchportal für Freie Inhalte: Freilizensierte oder gemeinfreie Inhalte gibt es auch woanders, etwa bei Open Street Map.
  4. Suchportal für das Internet (allgemein): In letzter Konsequenz kann man sich dann eine allgemeine Suchmaschine vorstellen, die auf Wikipedia-Prinzipien wie Transparenz, Community-Handlungen und Freie Software beruhen würde.

Was hier wie vier Kategorien aussieht, lässt sich vielleicht noch besser als Spektrum mit fließenden Übergängen interpretieren, je nach dem, was genau jeweils in den Suchergebnissen erscheinen soll. Jedenfalls drängen sich zum Thema mindestens drei Fragen oder Fragekomplexe auf.

Und immer wieder Google: Der Internet-Gigant taucht in fast jeder Wikimedia-Diskussion direkt oder indirekt auf.

Erstens müsste man an die Chancen und Risiken für die Marke Wikipedia denken. Wenn die Leser bei bestimmten Suchen bestimmte Inhalte erhalten, hat das Einfluss auf das Image der Wikipedia. Für den Leser verschwimmt vielleicht die Grenze zwischen „Wikipedia-Inhalten“ und anderen Inhalten.

Zweitens dürfte bei mancher Ausgestaltung einer Suchmaschine ein menschlicher Faktor vonnöten sein. Wer soll die Arbeit leisten – hätten ausreichend Wikipedia-Ehrenamtliche oder künftige Ehrenamtliche Lust dazu, etwa an verbesserten Suchergebnissen mitzuarbeiten?

Drittens gibt es bereits eine weit verbreitete allgemeine Suchmaschine: Google. Bereits heute suchen die meisten Wikipedia-Leser in Google und kommen darüber erst zur Wikipedia. Haben sie den Artikel zuende gelesen, und suchen sie nach weiteren Inhalten, dann gehen sie wieder zu Google. Allgemein wäre eine stärkere und direktere Bindung zwischen Wikipedia-Leser und Wikipedia-Website wünschenswert. Spätestens bei Kategorie 4 wäre die Beziehung zu Google jedoch nicht mehr als eine Art Symbiose anzusehen, sondern als Konkurrenz-Verhältnis.

Wonach sucht die Wikimedia Foundation?

Alberto Ibargüen ist der Präsident der Knight Foundation und hat auch besagtes Grant Agreement unterschrieben. Die Knight Foundation aus dem Jahr 1950 will unter anderem Qualitätsjournalismus und Medien-Innovation fördern.

Die WMF skizziert im Grant Agreement ein „Projekt“ mit dem Titel „Knowledge Engine by Wikipedia“ (an einer Stelle auch „Search Engine by Wikipedia“ genannt). Dieses Gesamtprojekt, das bereits begonnen habe, solle aus vier Teilen bestehen. Im Grant Agreement geht es nur um Teil eins, der „Discovery“ genannt wird. Teil eins soll ein Jahr dauern und rund 2,5 Millionen Dollar kosten.

Diese erkleckliche Summe entspricht durchaus dem Umfang jenes WMF-Teams, das im April 2015 die Arbeit aufgenommen hat, wie FDC-Mitglied Risker Ende Mai anmerkte. Es hatte zunächst einen anderen Namen, heißt nun „Discovery“ und besteht aus immerhin über einem Dutzend Mitarbeitern. Seine bisherige Arbeit ist ehrgeizig, aber dennoch eher begrenzter Natur (entsprechend Kategorien 1 und 2).

Was ist eine Knowledge Engine?

Allerdings stellt das Grant Agreement in den einleitenden Teilen noch eine andere, viel umfassendere Vision einer Suchmaschine vor: „Die Knowledge Engine der Wikipedia […] wird Nutzern die zuverlässigste und vertrauenswürdigste öffentliche Information im Netz geben […] sie wird die relevanteste Information des Internets leichter zugänglich und öffentlich betreut machen […].“ (S. 10). Gegenüber gestellt werden ihr die kommerziellen Suchmaschinen, die bislang das Internet beherrschen.

Zu den finanziellen Erfordernissen des vierteiligen Gesamtprojektes „Knowledge Engine by Wikipedia“ sagt das Grant Agreement nichts. Die Signpost berichtet von internen, geleakten WMF-Dokumenten. Ein Dokument nennt konkrete Zahlen für weitere Teile des Gesamtprojekts in Millionenhöhe, es heißt ferner, dass jeder Teil etwa 20 Prozent teurer werden würde als der vorherige Teil. Auch ohne Berücksichtigung dieser Leaks: Verallgemeinert man Kosten und Dauer des ersten Teils auf das Gesamtprojekt, so würde das Gesamtprojekt mindestens bis 2020 laufen und zehn Millionen Dollar kosten – holla!

Darf man das?

Selbst wenn man die Wikipedia-Suchfunktion für dringend verbesserungswürdig hält: Das FDC-Mitglied Liam Wyatt und andere haben zurecht die Frage nach der strategischen Grundlage gestellt. Wenn die WMF sich einem derart langfristigen und kostspieligen Großprojekt verschreibt, müssten die Ziele und Mittel in der Strategie und im Jahresprogramm erscheinen. Das sei aber nicht der Fall, sagt Liam Wyatt. Sowohl als „Stakeholders“ als auch als erhoffte Mitmacher müssten die Ehrenamtlichen überhaupt eher früher als später einbezogen werden.

Patricio Lorente ist seit 2015 Vorsitzender des WMF-Vorstands, des Board of Trustees. Kurz nach Tretikovs Abschiedsmail kündigte er an, dass der Vorstand einen transition plan vorlegen werde.

Das Grant Agreement wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der die Wikimedia-Bewegung auch über den Fall James Heilman diskutierte. Ende Dezember 2015 hat der zehnköpfige WMF-Vorstand sein Mitglied Heilman des Amtes enthoben. Ein konkreter Grund und Anlass dafür wurde nicht veröffentlicht. Es gibt Spekulationen und Aussagen, die gegen Aussagen stehen, darunter solche, dass der Rauswurf im Zusammenhang mit dem Grant Agreement steht.

Lila Tretikov und Jimmy Wales haben dementiert, dass die Wikimedia Foundation an einer Google-Konkurrenz arbeite. Je genauer man in Erfahrung bringt, was wann durch wen geplant wurde, desto besser. Es wäre dringend wünschenswert, mindestens zu zwei Fragen rasch Aufklärung zu erhalten:

  • Wie konnte es passieren, dass eine derart umfassende Vision einer allgemeinen Suchmaschine im Grant Agreement auftaucht? Der Blick richtet sich zunächst auf die Unterzeichnerin, die jetzt zurückgetretene Direktorin Tretikov.
  • Zu Grants / Grant-Anfragen in einer bestimmten Höhe muss der WMF-Vorstand gefragt werden. Hatten alle WMF-Vorstandsmitglieder rechtzeitig ausreichende Informationen erhalten, um den Grant entsprechend beurteilen zu können? Wie haben die Vorstandsmitglieder Umfang und Folgen der skizzierten Visionen eingeschätzt?

Dieser Beitrag ist ein persönlicher Eindruck, kein investigativer Journalismus. Eine Art Übersicht mit Links bietet die Timeline von GorillaWarfare. Z. 25.2.

Lila Tretikov tritt zurück

Die russischstämmige Programmiererin Lila Tretikov im April 2014, als sie neue Direktorin der WMF wurde. Sie war die Nachfolgerin der Kanadierin Sue Gardner.

Die Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation (WMF), Lila Tretikov, hat am 25. Februar 2016 kurz vor 20:00 Uhr eine Mail an die Liste Wikimedia-l geschickt. Darin kündigte sie ihren Rückzug an. Sie dankte für die Zusammenarbeit, erwähnte Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre und bot ihre Hilfe bei der Suche nach einem Nachfolger an.

Kurz darauf folgte eine Mail von Patricio Lorente, dem Vorsitzenden des WMF-Vorstandes. Er dankte Tretikov und erwähnte, dass der Vorstand sich nun regelmäßig treffe, um die weiteren Schritte samt einem Übergangsplan zu überlegen. Das Vertrauen der „community“ und der WMF-Mitarbeiter solle wieder aufgebaut werden. Nächste Woche würden weitere Informationen folgen.

Tretikov war unter anderem kritisiert worden für einen Förderantrag mit der Knight Foundation. Der Text erweckte den Anschein, dass die WMF eine allgemeine Suchmaschine für das Internet erstellen will. Nachdem der Text des Abkommens am 11. Februar bekannt geworden war, wurde unter anderem von Jimmy Wales dementiert, dass tatsächlich eine mit Google konkurrierende Suchmaschine gebaut werden solle. Vielmehr ginge es um die interne Wikipedia-Suchfunktion.

Die WMF-Mitarbeiter haben bereits im November 2015 in einer internen Umfrage großteils angegeben, kein Vertrauen in die Chefetage in San Francisco zu haben. Neben dem Subventionsabkommen ging es allgemein um Tretikovs Führungsstil. Vor allem im Februar haben WMF-Mitarbeiter erstaunlich offen und öffentlich die Geschäftsführerin kritisiert. Z. 25.2.

Vollständigkeit? Noch lange nicht!

Kein Grund, beeindruckt zu sein.

Zahlreiche WikiProjekte arbeiten daran, Vollständigkeit zu erreichen. In manchen Fachbereichen ist bzw. war das ein überschaubares Ziel, in manchen ist es auf absehbare Zeit unerreichbar. Das WikiProjekt Vereinigte Staaten kämpft diesbezüglich an mehreren Fronten. Das WikiProjekt Nationalparks in den USA ist mit den Nationalparks und den National Memorials durch, hat noch etwa ein Dutzend National Monuments vor sich und dann ausgiebig Gelegenheit, bei den National Historical Parks, Sites, and Battlefields, den National Trails und den vielen Recreation Areas die nächsten Jahre zu verbringen. Das WikiProjekt National Register of Historic Places hinkt hinter dem Tempo der Eintragung neuer Kulturdenkmäler auf nationaler Ebene hinterher, ist also mit dem derzeitigen Engagement ein Never-Ending-Projekt – derzeit fehlen deutlich über 80.000 Artikel. Zwischen zwanzig und dreißig neue Artikel, die irgendwas mit den Vereinigten Staaten zu tun haben, werden täglich angelegt, doch so richtig vorwärts geht es bei den Ortsartikeln und Politikern nicht wirklich. Das hängt allerdings nicht damit zusammen, daß in diesen Bereichen die Interessierten etwa wenig aktiv wären, sondern eher damit, daß bei der derzeitigen Themenabdeckung dieser Artikeltypen deren Anlage zur Erzeugung neuer Rotlinks führt, etwa weil in diesen Ortsartikeln zu nennende Bauwerke, geographische Namen sowie Söhne und Töchter oder in Politikerartikeln deren Geburts- und Sterbeorte noch keine Artikel haben. Das ist vergleichbar mit dem Bild einer bergauffahrenden Planierraupe, die einen Haufen vor sich herschiebt und den Berg damit noch ein bisserl höher macht, während gleichzeitig über ein riesiges Förderband Material nachrieselt. Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, wenn auch der Umfang einiger dieser Wartungslisten der fehlenden Artikel inzwischen fast stagniert. Spätestens bei den Wahlen im November wird sich das ändern; da gibt es jede Menge neue rote Politiker mit vermutlich weiteren roten Geburtsorten, in denen es jede Menge rote Bauwerke und Bäche gibt. Mithilfe ist daher gerne gesehen, aber möglichst in einer Form, die auf der portaleigenen Qualitätssicherung nicht zu weiterem Rückstand führt. MaB 24.2.

Gedankenlose Vorlage?

Die Wikipedia neigt dazu, sich selbst mit freundlichen Vorlagen einzudecken. Das ist mir just auf sehr subtile Art vor die Füße gefallen. Da seien die Begrüßungsvorlage für Benutzerdiskussionsseiten und die freundlichen Hinweisvorlagen, wenn Bearbeitungen neuer Benutzer mal nicht der Norm entsprechen sollten, genannt. Normalerweise ist dies nur an Neulinge gerichtet, aber scheinbar nicht nur ausschließlich an Neulinge. So tätigte ich eines Abends eine umfassendere Bearbeitung an einem ausführlicheren Artikel, ich teilte die Bearbeitungsschritte in Unterabschnitte des Artikels auf. Für mich ein normaler Prozess, besonders dann, wenn ich den Großteil des vorhandenen Textes nicht selbst geschrieben habe und viele Informationen relativ – sagen wir mal ungünstig – sortiert sind. Dabei löschte ich im Refdschungel einen Einzelnachweis und verschrieb mich, weshalb ich zwei Korrekturen vornahm. So kam ich auf fünf Bearbeitungen hintereinander. Zugegeben nicht optimal, aber besonders dann, wenn man viel auf einmal bearbeitet, unausweichlich. Da werfe man mal einen Blick in die Versionsgeschichte des heutigen Artikel des Tages. Aufteilung der Bearbeitungsschritte erhöht auf Dauer die Übersichtlichkeit. Umso mehr wunderte es mich, dass mir für eine vollkommen übliche Bearbeitung eine Benachrichtigung über die „Vorschaufunktion“ auf meine Diskussionsseite schwebte, die mir sagte, dass mehrere Bearbeitungen hintereinander schlecht für die Übersichtlichkeit seien. Vor etwa zehn Jahren, als ich ausschließlich als zugegeben völlig ahnungslose IP hier editierte, las ich selben Text schon einmal, damals noch auf meiner IP-Benutzerdisk. Da frage ich mich aber, warum jetzt, zehn Jahre später wieder jemand meine Bearbeitungsweise beanstandet. Schaut man sich meine Benutzerseite und meine Beiträge an, sollte schnell auffallen, dass ich hier sicher kein Neuling bin und mit den hiesigen Regeln recht gut vertraut bin. Meine eigenen Artikel sind zudem in der Regel an einem Stück geschrieben. Meine Themenfelder habe ich auf einer Unterseite in meinem Benutzernamensraum aufgelistet, dort lässt sich ein Einblick in meine Arbeitsweise erhalten. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, ob ich verwundert oder ratlos über den gegebenen Hinweis sein soll. Ich denke schon, dass bei genauem Hinsehen auffallen sollte, dass ein System in meinen Bearbeitungen steckt. Mein Fazit ist, dass ich noch vorsichtiger bin wenn ich eine Bearbeitung beanstande, besonders bei neuen Benutzern. Vor allem lese ich mir kurz durch, wo und wie der Benutzer in der Wikipedia arbeitet. Mit „freundlichen“ Hinweisen zu arbeiten, ist sicher die bessere Methode als den Wikipediaregelhammer zu schwingen und mit Reverts zu arbeiten, aber eine Vorlage lädt schnell dazu ein, sie gedankenlos bei der Vermutung einer Beanstandung auf eine Diskussionsseite zu kopieren. JJ, 23. Feb.

WikiCon 2016 – mach mit!

Du möchtest dich gerne mit anderen Wikipedianern austauschen? Wissen über die Arbeit in Wiki-Projekten mitnehmen und weitergeben? Persönliche Kontakte zu anderen Wikipedianern aufbauen und pflegen? – Dann komm zur WikiCon 2016. Wir treffen uns im September im Raum Stuttgart. Die genaue Zeit und den Veranstaltungsort geben wir demnächst bekannt. Die Vorbereitungen laufen bereits auf vollen Touren. Damit wir dieses Jahr wieder ein gelungenes Treffen und ein spannendes Programm bekommen, fangen wir bereits jetzt an, zu planen. Das Programm wollen wir gemeinsam gestalten – mit deiner wertvollen Mitwirkung.

Möchtest du einen Vortrag halten oder eine Arbeitsgruppe vorschlagen zu einem Thema, mit dem du dich gut auskennst? Beispielsweise

  • einen Bericht über ein verwandtes Projekt – Open Streetmap, WikiVoyage, Wikiversity, ein Stadt- oder Regionalwiki;
  • eine Schilderung von öffentlichen Vernetzungsprojekten, beispielsweise Galerien, Bibliotheken (Libraries), Archive und Museen (GLAM) oder Open Knowledge Labs;
  • einen Vortrag über internationale Vernetzung oder Wikimania;
  • einen Know-How-Workshop für Wikipedianer, beispielsweise zu Foto und Video oder zu Stil, Rhethorik, Präsentation;
  • eine Gesprächsrunde zum Miteinander in der Wikipedia, zur Diskussionskultur, zum Umgang mit Neulingen, zu Frauen in der Wikipedia.

Dies alles nur als Beispiel und Anregung. Die bunte Vielfalt der Wikipedia-Gemeinschaft soll sich im Programm wiederfinden, jede Wikipedianerin, jeder Wikipedianer soll Vorträge und Arbeitsrunden vorfinden, die sie oder ihn begeistern. – Also, falls du etwas beisteuern möchtest, dann trag dich mit deinem Thema unter Programm ein. Trage bitte auch ein, welche Form du dir vorstellst: Einen Vortrag, einen Workshop zum Mitmachen, eine Gesprächsrunde, eine Jamsession, …? Auch falls du dir nicht ganz sicher bist: Trag dich ein. Wenn du ein gutes Thema hast, dann helfen wir – das Programm-Team – dir gerne, damit du mit einem richtig guten Vorschlag beitragen kannst.

Du hast stattdessen ein Wunschthema, zu dem du gerne mehr erfahren möchtest? Dann trag auch dies auf der Seite Programm ein. Auch für Anfragen sind wir dankbar, denn: Je besser wir die Nachfrage kennen, desto interessanter wird das Programm.

Für das WikiCon-Programmteam: MP, 22. Feb.

Bilder von Eugène Cattin auf Wikimedia Commons

Familie aus Coeuve

Die Archives cantonales jurassiennes (ArCJ) haben mithilfe des Schweizerischen Bundesarchivs die Sammlung des Schweizer Fotografen Eugène Cattin (1866–1947) auf Wikimedia Commons hochgeladen. Cattin war von Beruf Holzfabrikant, fotografierte aber während seiner Freizeit in den Jahren zwischen 1900 und 1930 viele alltägliche Gegebenheiten, wie die Menschen vor Ort oder Gebäude aus dem bäuerlich geprägten Jura. So stellen heute die 3100 Fotos von Cattin wichtige Zeitdokumente aus dieser Zeit dar. Die Gebiete des Kantons Jura bildeten bis zu dessen Eigenständigkeit von 1979 den französischsprachigen Teil des Kantons Bern. Das Archiv ist heute nicht nur für die Bewahrung der Geschichte des jungen Kantons zuständig, sondern ebenso für die Sicherstellung der historischen Dokumente der jurassischen Gebiete, die damals noch zum Kanton Bern gehörten. Durch eine Erbschaft kamen die Rechte der sämtlichen Bilder von Cattin in den Besitz des Archivs und dieses ließ nun die Glasplatten mit 1200 DPI scannen und die Digitalisate hochladen, damit sie einem größeren Publikum zugute kommen. Das Archiv erhofft sich aber auch durch eine rege Beteiligung der Bevölkerung, dass Metadaten durch Crowdsourcing ergänzt werden können. MLR, 22.2.

Bärlinale, Frauen und Wikipedia

Der Verfasser dieser Zeilen hält nicht viel vom Wikimedia-weit ausgerufenen Kampf um Frauen als Autoren. Nicht, weil er etwas gegen Frauen hätte oder den Sinn nicht verstände, daß uns sonst der Großteil von 50 % potentieller Autoren verlustig gehen. Nein, der Grund ist, daß es seit vielen Jahren ohne echten Erfolg versucht wird, aber viele Dollars, Euro und was es noch so gibt für nichts und wieder nichts verbraten werden. Doch es gibt Ausnahmen. Wenige, aber gewichtige. So hat sich in Berlin das „Women Edit“ herausgebildet. Frauen treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Schreiben und hier bleiben wirklich ab und an neue Autorinnen hängen. Zudem wenden sich auch Frauen direkt an diese Gruppe, wenn sie ein Anliegen haben. Um eine solche Aktion soll es nun gehen.

Szene: WikiWomen unterwegs in Berlin und eine Frau mit wenig Zeit kommt leicht verspätet an. Satu Katja. Wohl wissentlich nicht viel Zeit zu haben, trägt sie, selbst Filmschaffende, ihr Anliegen vor. Wäre es nicht toll, etwas bei der Berlinale mit den anwesenden Frauen und Wikipedia zu machen? Nun war es wohl nicht so, daß großer Jubel unter den Anwesenden ausbrach, zumal die Berlinale 2016 schon in wenigen Wochen statt finden würde. Manchmal reicht es aber auch, wenn sich nur wenige oder auch nur eine Person so einer Sache annehmen. Und in WS ReNu hatte Satu Katja die Partnerin gefunden, die sie für die Realisierung brauchte. In nur drei Wochen stellten die beiden, unterstützt von der Ideenförderung bei Wikimedia Deutschland, alles Nötige auf die Beine, angefangen vom Antrag bis hin zum Catering. Dabei ist Satu Katja neu und auch WS ReNu noch nicht so lange dabei. Der Verfasser war mehrfach Ansprechpartner für die abendlichen Sorgen und Zweifel von WS ReNu. Die waren aber erwartungsgemäß unbegründet.

Am letzten Montag, den 15. Februar 2016, fand die Veranstaltung dann in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland statt. Mehr als 80 Anmeldungen waren eingegangen und fast 50 filmschaffende Frauen waren am Ende wirklich gekommen. WS ReNu hatte sich eine ganze Reihe erfahrener Mitarbeiter beiderlei Geschlechts zur Unterstützung geholt. Von einer Fotografin über Helfer bei Biografiefragen und bei Wikidata-Angelegenheiten bis hin zu „Troubleshootern“ für die wirklich kniffligen Fälle. Die Einführung machten die beiden Organisatorinnen selbst, bei Wikidata wurden sie von Helfern aus der Geschäftsstelle unterstützt, den Visual Editor stellte DerHexer vor. Der größte Teil der Zeit bestand allerdings aus praktischer Arbeit. Für die alten Hasen aus dem Beantworten von zumeist praktischen Fragen, für die Neuautorinnen aus dem Verfassen neuer Artikel oder dem Hochladen von Bildern. Mehrere Artikel sind auch wirklich schon entstanden, zudem wurden mehrere Bilder hochgeladen. Die Frauen waren nach Erfahrung des Autoren durchweg positiv überrascht von unserer Arbeit und äußerst froh über die Möglichkeit, zu lernen, wie Wikipedia funktioniert. Bei vielen hatte man das Gefühl, dass das alles auch nachhaltig andauern könnte. Und auch in den nächsten Tagen (einschließlich dem heutigen Sonntag) gab es weitere Aktionen der Teilnehmerinnen onwiki. Leider nicht immer so, wie es sein sollte, Wikipedia hat nicht immer sein bestes Gesicht aufgestellt.

Der Montag kann bislang nur als voller Erfolg angesehen werden. Anfragen aus Hamburg, München, Köln, ja sogar aus Belgien für ähnliche Projekte liegen schon vor. In Berlin wird es unter aller Voraussicht in den nächsten Wochen noch wöchentlich weiter gehen. Bleibt an der Stelle mir die Freude, Satu Katja Dank zu sagen für die Idee und den Mut, anzufragen, WS ReNu für den Großteil der Organisaton, phantastisch gemacht, Wikimedia Deutschland für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung und allen Teilnehmern, den alten Hasen für ihren Einsatz und den Neuautorinnen für ihre Energie. Und wenn ein Nachfolgeprojekt in eure Gegend kommt, wäre es toll, wenn auch ihr euch einbringt. Es lohnt! 21. Feb., MC

Versichert im Ehrenamt

Disclaimer: Dies ist keine Versicherungs- oder Rechtsberatung. Der Reporter garantiert keine Schadensregulierung, er referiert lediglich Gehörtes

Gestern waren Benutzerin:Elya und ich auf einer Infoveranstaltung der Melanchthon-Akademie Köln zum Thema „Versichert im Engagement“ zur Landesversicherung NRW.

Für größere Veranstaltungen gibt es bereits seit längerem die Möglichkeit, über Wikimedia Deutschland eine Community-Versicherung abzuschließen.

Wie sieht es aber für die ehrenamtliche Wikipedia-Arbeit einzelner Wikipedianer aus? Der Klassiker aus Sicht des Reporters sind Fototermine in Museen, auf Veranstaltungen, Pressekonferenzen usw. Ungeschickt hantiert und dem Nachbarn die Kamera aus der Hand gehauen? Schwups, kurz umgedreht und die mittelalterliche Skulptur vom Podest gescheppert?* Das wird teuer!

Wusstet ihr zum Beispiel, dass Haftpflichtschäden, die bei ehrenamtlichen Tätigkeiten entstehen, oftmals in privaten Haftpflichtversicherungsverträgen ausgeschlossen sind?

Hier tritt dann ggfs. die Sammelversicherung des Landes NRW für Haftpflicht- oder Unfallschäden ein.

Aber wird „Arbeit für Wikipedia“ als Ehrenamt anerkannt? Diese Frage haben wir dem Referenten gestellt. Als Anhaltspunkte, ob eine Tätigkeit als Ehrenamt anerkannt wird, hat er folgende fünf Punkte genannt:

Die Tätigkeit muss

  • freiwillig
  • unentgeltlich
  • regelmäßig
  • für andere/gemeinnützig
  • organisiert/geplant

sein. Alle fünf Punkte müssen zutreffen.

Ich denke, die ersten vier Punkte sind für Otto-Durchschnitts-Wikipedianer eindeutig mit Ja zu beantworten. Am schwierigsten fand ich den Punkt „organisiert/geplant“. Dies bedeutet aber nichts anderes, als dass ich einen Termin bewusst, also geplant, wahrnehmen muss.
Anders ausgedrückt: Beim Familienausflug mal spontan die Straße überqueren, um ein Foto zu schießen, weil das Licht gerade so toll steht und dabei einen Schaden verursachen/verunglücken, könnte schädlich für den Ehrenamtsversicherungsschutz sein.

Einen Überblick gibt die Info-Broschüre des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Auch andere Bundesländer sollen vergleichbare Ehrenamtsversicherungen haben. (ray, 17.2.)

*Der Reporter ist für mindestens einen Beinahe-Herzinfarkt von Kuratoren verantwortlich -> Glück gehabt

Ergänzung: In Bayern gibt es eine vergleichbare Ehrenamtversicherung bereits seit 2007. Haftpflicht- und Unfallversicherung gelten hier aber nur für den oder die ehrenamtlich Tätigen, nicht für reine Teilnehmer einer Veranstaltung. Infos zu den Regelungen.h-stt

Hier gibt es Infos zur Ehrenamtsversicherung in Rheinland-Pfalz und in Hessen. Tuluqaruk (Diskussion)

Tools im Fokus #2: Deep out-of-sight

Wie der Kurier erst vor kurzem berichtete, hinken wir derzeit bei der Sichtung von Neuerungen wieder stark hinterher. Die meisten Benutzer mit Sichtungsrecht sichten Änderungen auf ihrer Beobachtungsseite – doch das reicht nicht aus, schließlich gibt es zahlreiche Artikel, die von keinem oder nur wenigen aktiven Benutzern beobachtet werden, und oft gehen ungesichtete Änderungen unter. Einige Benutzer sichten daher mit der Spezialseite Seiten mit ungesichteten Versionen oder gar den letzten Änderungen – doch das war nie wirklich meines: Zu oft weiß man zu wenig von der Thematik, um einfach einzuschätzen, wie sinnvoll die Änderung ist oder nicht.

Vor kurzem entdeckte ich eine für mich bessere Möglichkeit, mich beim Sichten zu beteiligen: Deep out-of-sight. Dieses kleine Tool zeigt einem alle Seiten mit ungesichteten Änderungen in einer Kategorie und deren Unterkategorien an. Ist die Kategorie nicht zu groß, kann man bei Tiefe einfach 99 angeben, um alle Unterkategorien zu berücksichtigen; einmal die gewünschten Parameter eingetragen, kann man den Link bookmarken oder einfach im Browser offen lassen und reloaden (Tipp: bei Firefox kann man Tabs ‚anheften‘, so dass sie immer automatisch geöffnet werden). Und so checke ich jetzt nicht nur meine Beobachtungsliste regelmäßig, sondern sichte zugleich auch alle Artikel in einem meiner Interessengebiete. So lassen sich Kategorien mit tausenden Artikeln in etwa hundert Unterkategorien bequem gesichtet halten (Beispiel). Michi et al. 14.2

Die Verschwundenen

Die Chausseestraße, ein Mammutartikel vor allem von Gtelloke
Der Artikel zur Alten Nazarethkirche, maßgeblich geschrieben von 62.246.210.30
Der Volkspark Rehberge, in Wikipedia beschrieben vor allem von 84.190.89.208 und Katonka.

Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und Autorinnen aber gehen genauso still und leise, wie sie gekommen sind und gearbeitet haben.

Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern – aka Wikifanten – fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden. Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von Menschen und Accounts gestaltet, die fast nur im Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie unermüdlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige, sehr fleißige Autorin? Wer weiß?

Anlässlich des Projektes WikiWedding und in meinem Bestreben, möglichst viele Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Wedding angenommen hat, musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört haben, zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre Edits und Kommentare geben keinen Hinweis, warum. Aber anscheinend war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Eindruck, alles in Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding in Wikipedia bemühten, bevor sie verschwanden.

Da ist zum Beispiel der Artikel zur Chausseestraße. Ein Mammutwerk von Gtelloke, dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.

Da ist der Artikel zum Wedding selber. Angelegt 2002 von Otto, dessen letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann maßgeblich ausgebaut von Nauck, der sich auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: GNU rockt! Der König ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes! Licht und Liebe.

Weiterer Ausbau erfolgte durch 87.123.84.64, auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von berühmten Persönlichkeiten, bis im Dezember 2014 der erste heute noch aktive Wikipedianer hinzukommt: Fridolin freudenfett verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.

Der Leopoldplatz; angelegt von Frerix, der in den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine Diskussion verwickelt wurde. Zu seinen wenigen Beiträgen gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in Münster und des Three Horses Beers. Dann war er/sie wieder weg. Mutter des Artikels ist hier aber 44Pinguine, die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv ist.

Da wäre das Wahrzeichen des Weddings, die Alte Nazarethkirche. Der Artikel stammt vor allem von 62.246.210.30.

Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend wie die Geschichte der AEG. Dieser Artikel stammte in seiner Frühzeit von WHell, einem engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher Artikelliste und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur AEG folgten in den späteren Jahren durch Peterobst – aktiv von Februar bis April 2006, vor allem mit Beiträgen zur Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten 80.226.238.197, von Georg Slickers 2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht unregelmäßig), Flibbertigibbet 2006, 79.201.110.89 im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine. Weiter ausgebaut von Onkel Dittmeyer, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karriere mit der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und hielt sich im Wesentlichen daran.

Da ist der Volkspark Rehberge. Angelegt von Ramiro 2005, aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut, umfassend überarbeitet 2007 von 84.190.89.208 und noch einmal 2010 stark erweitert von Katonka. Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014, die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.

Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und Fridolin freudenfett. Darüber hinaus Definitiv, Magadan, Flibbertigibbet und Jo.Fruechtnicht

Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen. Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine, Fridolin freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt sie. Aber wir können all’ den Verschwundenen danken, die vor uns kamen.sp 14.2.

Foundation führt Themenringe in deutschsprachiger Wikipedia ein

Der Screenshot aus dem Artikel „Käseigel“ zeigt die idiotischen Links zu den Artikeln „Beere“, „Fruchtknoten“ und der Gemeinde „Frücht“ und die Überdeckung von Telen der seitlichen Navigationsleiste.
Alles Käse oder was?

Wikipedia:Themenring ist seit Jahren ein kapitaler Stolperstein für Autoren, die aus der englischen Wikipedia Navigationsleisten übernehmen. Themenringe sind bei uns unerwünscht. Eigentlich. Nun wurden sie in einer der bekannten Nacht- und Nebelaktionen (nicht nur) in der deutschsprachigen Wikipedia flächendeckend implementiert. Die Extension „Mehr erfahren“, die derzeit nur als Beta verfügbar ist und deswegen von der Community wohl noch nicht allgemein bemerkt wurde, verlinkt am Fuß einer Artikelseite, unterhalb der Kategorien (und unterhalb des für Sichter angezeigten Sichtungsblocks), drei sogenannte „weiterführende Artikel“. Und erzeugt unerträglichen Müll. Oder dem Autor dieser Meldung fehlt es an der geistigen Fähigkeit, den Zusammmenhang zwischen Käseigel und den Artikeln Beere, Fruchtknoten und Frücht zu verstehen. Abgesehen von der Frage nach dem Algorithmus, wenn es denn einen gibt und die Ergebnisse nicht mehr oder weniger zufällige Funde sind, ist die Extension auch handwerklich Schrott, da sie bei nicht ausreichender Fensterbreite im nicht mehr von der WMF gepflegten Monobook-Skin in die Seitenleiste hineinläuft und dortige Elemente überdeckt. Was der Autor dieser Meldung vom Verhalten der Foundation und den geistigen Fähigkeiten der Entwickler dieser Müll-Extension denkt, verrät er lieber nicht. MaB 14.2.

Dieses Feature stammt aus der MediaWiki-Erweiterung RelatedArticles. Die Auswahl der Seiten erfolgt anhand der Ähnlichkeit des Textes der Artikel. Über die Parserfunktion #related können die Vorschläge aber auch manuell gesetzt werden. Eine Übersicht zu den Überlegungen hinter diesem „Experiment“ gibt es auf dieser Projektseite. Die erste Aufgabe „discuss with community“ ist wenig überraschend noch als „to do“ markiert. ir, 14.2.

Niedergang der fachspezifischen Qualitätssicherung?

Alles begann damit, dass mir ein Artikel über ein isländisches Musikfestival aufgefallen war, das möglicherweise nicht relevant im Sinne unserer Kriterien ist. Das hätte ich gerne (lieber als per Löschantrag) im Rahmen einer Fach-Qualitätssicherung klären lassen. Eine allgemeine QS für den Musikbereich gibt es jedoch nicht, wie ich bei einem Blick auf Wikipedia:Fachspezifische Qualitätssicherung feststellen konnte. Ich habe mir in diesem Zusammenhang angesehen, was es denn an QS-Initiativen im Musikbereich überhaupt gibt, und auf der genannten Übersichtsseite war Wikipedia:WikiProjekt Country-Musik/Baustellen-Artikel als „aktiv“ gekennzeichnet. Bei einem Besuch dort ist zu lesen: „Die Qualitätssicherung des Projekts Country-Musik wird nicht mehr betrieben.“ Ja nun – ich aktualisierte den Eintrag in der Liste.

Dabei wurde ich aber nachdenklich und fragte mich, wie viele auf der Übersichtsseite mit einem beruhigend grünen Lämpchen gekennzeichnete QS-Seiten eigentlich noch wirklich aktiv sind. Ich habe sie mir also alle angesehen – viele erwiesen sich als nur noch wenig aktiv oder gänzlich inaktiv. So wiesen auch die laut Übersicht angeblich aktiven QS-Seiten Diskriminierung, Einsatzorganisationen, Nordische Länder, Phantastik und Radartechnik seit Jahren keine Aktivität mehr auf – und viele weitere werden nur noch sehr sporadisch genutzt (die Seite ist jetzt auf aktuellem Aktivitäts-Stand). Neue QS-Initiativen sind dabei selten. Neben der Musik müssen viele weitere zentrale Bereiche ohne eigene QS auskommen – es gibt weder eine allgemeine QS Literatur noch eine QS Sport, beispielsweise. Was sagt uns das? Ist der Ansatz „fachspezifische QS“ bis auf wenige Bereiche, in denen er sich etabliert hat (Biologie, Medizin, Film und Fernsehen) gescheitert? Könnte man ihn wiederbeleben? Oder verlassen wir uns lieber verstärkt auf Bots, die automatisch Seiten wie Portal:Island/Überarbeitungswürdige Artikel generieren? Diese bieten wenigstens einen Überblick über aktuelle Probleme in einem bestimmten Bereich. Gestumblindi, 13.2.

Die «Schönfärberei» der Schweizer Bundesverwaltung in der Wikipedia

In der az Nordwestschweiz kam gestern ein Bericht darüber, dass die Schweizer Bundesangestellten Wikipedia-Artikel schönfärben [1]. Insgesamt seien 5500 Artikel betroffen, die verändert wurden, weil den «Beamten» die «Darstellung nicht gefiel».[2] Das wurde schließlich auch von weiteren Medien aufgegriffen und so beispielsweise im Tages-Anzeiger und in watson.ch verbreitet.

Nun, was ist da dran? Der Auszubildende (Stagiaire) Sven Altermatt, der die Recherche durchführte und den Artikel samt Kommentar schrieb, stützte sich vor allem auf die Sammel-IP der Bundesverwaltung (Spezial:Beiträge/193.5.216.100) und das dazugehörige Sperrlog. Die schweizerische Bundesverwaltung hat insgesamt rund 37'000 Angestellte und ihre Computer befinden sich alle hinter einem gemeinsamen Proxy. Die Bundesverwaltung ist sehr heterogen, was sich alles dahinter befindet, kann man in diesem Artikel erahnen: Bundesverwaltung (Schweiz). Beispielsweise (zufällig herausgegriffen) solche Ämter wie das Integrationsbüro, Swissmedic, Staatssekretariat für Migration, etc. wie auch solche zu denen Wikipedia seit längerem eine GLAM-Partnerschaft eingegangen ist wie die Schweizerische Nationalbibliothek und das Schweizerische Bundesarchiv. Wenn also einer dieser 37'000 Angestellten, sei es Direktor eines Amtes oder Lehrling, Langzeitangestellter oder befristet angestellte studentische Hilfskraft, hier unangemeldet editiert, sieht man das in der Beiträgen dieser IP. Es ist ja nur plausibel, dass bei dieser Anzahl von Personen hinter dieser IP auch manchmal Blödsinn eingefügt wird. So wurde die IP in Vergangenheit schon häufiger wegen Vandalismus gesperrt. Beispielsweise wegen sowas: [3]. Das hatte eine zweistündige Sperre durch Ra'ike zu Folge mit der Begründung «Unsinnige Bearbeitungen». Sieht man die Edits durch, so sind die meisten aber Verbesserungen. So werden Links korrigiert, Daten aktualisiert, Kategorien gesetzt, etc. Die IP brachte es deshalb seit 2005 auf insgesamt 4900 Edits im Artikelnamensraum und 5800 Edits insgesamt. Wenn man da ein wenig tiefer gräbt, findet man auch ab und zu Edits, die nicht unproblematisch sind. Es ist aber im Verhältnis zu der bloßen Zahl Angestellter nicht von einer systematischen Einflussnahme auf die Wikipedia auszugehen. Die Beispiele die medial aufgeführt werden [4], zeigen ein paar Einzelfälle im Verlauf der Jahre, wo sich Angestellte tatsächlich inhaltlich eingemischt haben.

Was macht der Auszubildende nun in seinem Beitrag? Er macht aus den 5800 Edits dieser Sammel-IP (wobei nur 4900 auf den Artikelnamensraum fallen) 5500 Artikel, die da hätten von den Bundesangestellten schöngefärbt worden sein. Die blosse Motivation dahinter sei gemäss Zeitungsheadline ja, dass ihnen «die Darstellung nicht gefiel». Man unterstellt ihnen also schon mal grundlegend eine schlechte Absicht. Die orthografischen Verbesserungen oder Updates in Artikel lassen sich offenbar ebenfalls mit der Motivation Schönfärberei begründen. Um das zu bekräftigen wird auf das Logbuch zurückgegriffen. Der Bericht suggeriert, dass die Sperrungen hier nicht wegen blossem Vandalismus, sondern vor allem wegen inhaltlicher Manipulation durchgeführt werden mussten. So wird das dann medial weiter verbreitet. So schreibt der Tages-Anzeiger [5] in seinem Bericht, der sich eigentlich nur auf den Bericht der az Nordwestschweiz stützt, dass «Die Manipulationen (...) nicht unbemerkt (blieben): Sie führten dazu, dass Wikipedia mehrfach gegen die Bundesverwaltung vorging – und alle Staats-Computer sperrte. Laut Wikipedia wurde der IP-Adressblock der Bundesverwaltung in den vergangenen beiden Jahren gleich mehrfach gesperrt». Ich versuchte da gestern mit einer Gegendarstellung aufgrund meiner Kenntnisse auf beiden Seiten (selbst Bundesangestellter und Wikipedianer) das Ganze ein wenig zu objektivieren: [6]. Natürlich sind einzelne Edits von unangemeldeten Personen problematisch, aber das ist kein besonderes Phänomen von Bundesangestellten. Die Beiträge dieser IP zeigen eher, dass auch Bundesangestellte hier editieren, wie sonstige Personen auch und das ist weder besonders verdächtig noch grundsätzlich problematisch.

Als ich Medienkunde hatte, wurde mal gesagt, dass man Boulevardjournalismus am besten daran erkennt, dass Meldungen erfunden werden. Wenn beispielsweise aus einem Börsencrash auf einmal Reportagen über hungerleidende Millionäre erfunden werden. Diese Berichte nun, in der nun heute sogar Politiker zu Wort kommen, ob man Bundesangestellte in Hinblick ihrer Wikipedia-Arbeit wohl besser überwachen müsste, damit ihre «Schönfärbereien» nicht weitergehen, geht für mich nun sehr ins Boulevardeske. Denn wen man bei dieser Geschichte nie wirklich gefragt hat, das sind die Betroffenen. Also wie das die Community hier denn selbst einschätzt und wie tiefgreifend sie die Probleme mit dieser IP denn tatsächlich sieht. Die ganze journalistische «Wahrheit» wird aus der Durchsicht der Sammel-IP generiert, die ja zum guten Glück und eigentlich auch vorbildlich transparent offenlegt, was alles von Seiten Schweizer Bundesverwaltung unangemeldet editiert wird. Wenn nun die blosse (Binsen-)Quintessenz lautet, dass man die Wikipedia «Nicht für bare Münze nehmen» soll [7], sollte man doch dringend auch anführen, dass man auch nicht jedem Zeitungsbericht einfach so unkritisch Glauben schenken darf. MLR, 10.2.

Stellenausschreibung: Gesucht werden …

Jury gesucht …

… acht Wikipedianer, die sich zutrauen, die Arbeit anderer sachlich zu beurteilen und fair gegeneinander abzuwägen - sie sollten etwas Erfahrung als Autor und Reviewer mitbringen, zwingend notwendig ist die allerdings nicht, und sie sollten sich mindestens in einem Fachgebiet sicher fühlen, Korrektheit und Vollständigkeit eingereichter Artikel zu bewerten. Falls du dich angesprochen fühlst: Prima - dann kandidiere doch um das Amt eines Schreibwettbewerbsjurors.

Zugegeben, natürlich hat das Ganze auch einen Haken – du wirst wahrscheinlich beschimpft, wenn irgendetwas nicht ganz glatt läuft oder sich jemand ungerecht behandelt fühlt; es braucht also schon ein wenig Gefühl dafür, welche Kritiken gerechtfertigt sind und Reaktion bedürfen, und welche man lieber an sich abperlen lassen sollte. Und es ist ein Haufen Arbeit, denn alle Artikel deiner Sektion und die besten Beiträge aller anderen Sektionen müssen innerhalb eines Monats gelesen, analysiert und bewertet werden. Aufgewogen wird dies jedoch durch eine sehr freundliche und vor allem sehr konzentrierte Zusammenarbeit mit den anderen Juroren, die zum Abschluss der Bewertungsphase in der Regel in einem persönlichen Treffen mit einem intensiven Meinungsaustausch gipfelt. Kaum ein Moment der Wikipedia-Welt kann dir solch einen Schub an Motivation und Befriedigung bringen, wie es die Fertigstellung der Top Ten und der Sektions-Ranglisten am Ende einer 8-stündigen Fachdiskussion mit sich bringt. Die nachfolgende Freude derjenigen, deren Arbeit ihr durch eure Wertschätzung honoriert, ist euch sicher (meistens zumindest).

Du fühlst dich nicht gut und erfahren genug für die Jury? Du würdest gern, aber …? Hey, es ist ein Spiel, ein spielerischer Wettbewerb unter Wikipedia-Autoren - und auch wenn es manchmal etwas verkrampft rüber kommt: Im Mittelpunkt steht der Spaß, den auch die Schiedsrichter und Juroren haben sollten. Es gibt immer ein paar alte Hasen in der Jury, die Neulingen erklären, wie das Prozedere am besten verläuft, ohne euch in eurer Entscheidung zu beeinflussen. Wir freuen uns auf deine Bewerbung – und natürlich auch später auf alle Beiträge zum Schreibwettbewerb. AR, 9.2.

Nachtrag: Inzwischen wurde eine Jury gefunden – und die will beschäftigt werden. Liebe mitlesenden Schreiber und Schreiberinnen, werdet Teilnehmer und Teilnehmerinnen! User:Tobnu für die Jury, 25.2.

Aktuelles vom WikiCup 2016

Der WikiCup-Pokal

Der diesjährige WikiCup 2016 läuft nun seit einem Monat und insgesamt 33 Teilnehmer befinden sich im Athletenfeld – drei Kandidaten stehen allerdings noch an der Startlinie und scheinen Probleme mit ihren Schnürsenkeln zu haben. Da am Ende der ersten Runde Ende März immerhin 32 der Teilnehmer nach Rangfolge in die zweite Runde kommen, ist damit jetzt noch ein lockerer Start möglich – bereits mit einem einzigen neu angelegten oder ausgebauten Artikel oder einem als „Quality Image“ ausgezeichneten Bild haben Neulinge die Chance, in die Auswahlgruppe einzusteigen. Falls ihr also genug davon habt, euch in endlosen Diskussion zu zermürben, und mal wieder mit Power in die Artikelarbeit einsteigen wollt – hier ist eure Chance.

Die Spitze bildet derzeit die Benutzerin BS Thurner Hof (283,5 Punkte), die das Feld mit den 100 bedeutendsten britischen Romanen aufmischt und Artikel zu Romantiteln anlegt und sich im Ausbau um Themen wie Eischnee, Kochgeschirr und Kindermädchen kümmert. Der Autor dieser Zeilen – Benutzer Achim Raschka – versucht, ihr vor allem mit Artikeln zu Nagetieren auf den Fersen zu bleiben, ist jedoch bereits um etwa 40 Punkte abgeschlagen. Auf Rang drei kämpft sich Benutzer Squasher durch diverse Squash- und Tennisturniere und den Rang 4 bildet derzeit Benutzer Frank Schulenburg, der sich auf die Fotografie verlegt hat und mit ausgezeichneten Bildern von Möwen und Pelikanen seiner kalifornischen Heimat überzeugt.

Die erste Runde dauert noch fast zwei Monate und bis zur Abrechnung am 28. März können noch alle Interessenten einsteigen. Nach dem Ende der Runde werden die Top 32 auf vier Gruppen verteilt und beginnen alle bei Null – es ist also vollkommen egal, ob man die zweite Runde mit 200 oder mit 20 Punkten erreicht. 2015 waren allerdings bei insgesamt 50 Teilnehmern der ersten Runde mehr als 138 Punkte nötig, um die zweite Runde zu erreichen. AR, 2.2.

Darstellen und Sein

Dies ist keine Ente

Man gewöhnt sich ja an vielem, sogar am Dativ, aber gibt es eigentlich noch Leute, denen der Unterschied zwischen darstellen und sein bekannt ist und die Wert darauf legen? So gibt es beispielsweise Vögel, die Enten sind, Darstellungen von Enten und Enten, die etwas darstellen. Das ist ein Unterschied. Echt. Nahezu jeden Tag lese ich, [dieses] würde [jenes] darstellen, wo tatsächlich gemeint ist, [dieses] sei [jenes]. Das Wunder der Sprache: Einerseits kann man sich in unserer Sprache ziemlich präzise ausdrücken, andererseits wird man auch einigermaßen und meistens sogar einigermaßen ausreichend verstanden, wenn man kraus daherschreibt. Unsereins versucht, sich daran zu gewöhnen, aber irgendwie zwickt es doch immer wieder. Aber vielleicht ist unsereins ja auch nur pingelig oder stellt gar nur einen alten Pedanten dar. hy- 13:45, 29. Feb. 2016 (CET)[Beantworten]

Juroren und technischer Helfer gesucht

Wiki Loves Monuments, unser großer Fotowettbewerb für Kultur- und Baudenkmäler, wirft seine Schatten voraus. Ab sofort bis zum 31. Juli 2016 können sich interessierte Juroren und technische Helfer für die Jurysitzung voraussichtlich vom 21. bis 23. Oktober 2016 in Fulda, auf der Projektseite eintragen. Auch für das extern zu besetzende Jurorenteam werden noch Kandidaten aus den Bereichen Fotografie und Denkmalpflege gesucht, Vorschläge werden ebenfalls auf der Projektseite entgegengenommen. H., 29. 2.

Kategoriensystem den Trollen!

Es ist soweit! Da die Einhaltung von Regeln kein Schwein mehr interessiert und Leute, die Regeln befolgen, sogar für 90 Tage (sic!) gesperrt werden, sieht der fast zehn Jahre aktive Verfasser dieser Eilmeldung keinen Sinn mehr, sich weiter für das beste Kategoriensystem aller Wikipediasprachversionen einzusetzen. Alle Macht den Trollen, das WikiProjekt Kategorien ist sturmreif geschossen. Rette sich wer kann! Für mich war's das in Wikipedia. Die Zusammenarbeit mit den meisten von Euch war schön, alle anderen dürfen gerne zur Hölle fahren. Tschüß! MaB 28.2.

Und wieder ein Verlag mehr

Ich freue mich ganz besonders, dass ein weiterer Verlag, schon der achte, angeboten hat, Wikipedianer mit Fachliteratur zu versorgen. In diesem Fall ist dieser Verlag für jeden, der bereits im Bereich der Denkmallisten gearbeitet hat, kein Unbekannter. Der Verlag Ferdinand Berger & Söhne, der demnächst sein 150-jähriges Jubiläum feiern wird, ist jedem von uns bekannt, denn er verlegt den Dehio und viele andere Werke, welche gerade für die Denkmallisten von enormer Bedeutung sind. Aber nicht nur für diesen Bereich. Es ist auch der Verlag, der die meisten Werke des Österreichischen Bundesdenkmalamtes druckt und verlegt. Ein großer Gewinn, auch wenn das Angebot zu einem großen Teil sehr österreichisch ist. Wer stöbern möchte um vielleicht etwas für sich zu finden, den verweise ich hiermit auf die allgemeine und auch auf die spezielle Literaturstipendiumsseite. Hu26. 2.

Eine viertel Seite …

Nicht einmal eine viertel Seite im DIN-A5-Format ist er lang, der Lexikon-Eintrag über den Bankier Hermann Josef Abs im einbändigen Das Lexikon der Gegenwart aus dem Chronik-Verlag von 1984, als erster biografischer Eintrag des Lexikons. Das Buch stand im heimischen öffentlichen Bücherschrank, der bereits überquoll und dessen Füllung den Autoren zur Mitnahme dieses und anderer Bücher bewegte (call it „aufräumen“). Dem gegenüber steht der Artikel der Wikipedia: Über 30.000 Zeichen lang. Was kann das olle Lexikon also noch beitragen zum Wissen der Welt, welche Berechtigung hat es im heimischen Regal und warum schmeisst man es nicht einfach in den Bücherfriedhof? - lohnt es sich, überhaupt mal reinzuschauen?

Nicht einmal eine viertel Seite im DIN-A5-Format ist er lang - jedoch offenbart er Details, die in dem 30.000-Zeichen-Artikel noch fehlen und daher nun nachgetragen und extern belegt werden konnten. So wurde Abs etwa von David Rockefeller als „der führende Bankier der Welt“ bezeichnet (belegbar durch den Nachruf des Spiegels) und er war es, der den Einkauf des 1983 teuersten Buches der Welt, des Evangeliars Heinrichs des Löwen für die Bundesrepublik Deutschland übernahm (was im dortigen Artikel bereits erwähnt war).

Nicht einmal eine viertel Seite im DIN-A5-Format ist er lang … und trotzdem kann er seinem umfassenden Zwilling in der größten Enzyklopädie aller Zeiten noch etwas Wissen hinzufügen. Wer daran glaubt, die Lexika und Enzyklopädien der Papier-Ära seien durch Wikipedia abgelöst, sollte mal darüber nachdenken.(AR, 25.2.)

Die Sache mit den durch Deutschland fahrenden Community-Bussen zur Wikimania …

… war nur ein sehr laut geäußerter Gedanke eines inzwischen nicht mehr WMDE-Mitarbeitenden. Wer diese Äußerung für bare Münze nahm, sollte selbige aus dem Portmonee holen und sich nach einer Alternative umsehen, bevor die Sparpreise weg sind. (investigativ: XXD, 24.12.)

And the Oscar goes to…

In der Nacht vom kommenden Sonntag auf Montag werden in Los Angeles zum 88. Mal die OscarsTM verliehen. Seit Jahresbeginn läuft der sechste OscArtikelMarathon, an dem sich jeder mit Artikeln zu Gewinnern und Nominierten der Academy Awards beteiligen kann. Derzeit fehlen noch 60 Artikel zu den in diesem Jahr nominierten Personen und Filmen sowie unzählige Artikel der Jahre 1942 bis 2015.

Wer dagegen nur gerne ein wenig spekulieren möchte, der ist herzlich dazu eingeladen, am diesjährigen Oscar-Tippspiel teilzunehmen und in 24 Kategorien Prognosen abzugeben, es winken Ruhm, Ehre und ein Babel für den oder die Gewinner. Die Frist für das Tippspiel endet am 28. Februar um 24:00 Uhr deutscher Zeit, zweieinhalb Stunden später heißt es “and the Oscar goes to…” (JG, 23.02.)

Die NZZ möchte mehrere Wikipedias

Dem NZZ-Redaktor Stefan Betschon genügt eine Wikipedia nicht. Er möchte mehrere. Und zwar solche, die unterschiedliche Standpunkte einnehmen, damit sich der Leser so eine eigene Meinung bilden kann. Wikipedia solle ohnehin nicht als „Nachschlagewerk“, sondern als ein „Vorschlagewerk“ verstanden werden. Wikipedia liefere dem Leser nur einen Vorschlag über ein Thema, das dann zu eigenen Recherchen führen soll. Den genauen Beitrag lese man hier. Mein persönlicher Kommentar dazu steht hier. (MLR, 23.2.)

Normdaten-Workshop bei der DNB

Logo der DNB

Seit knapp 10 Jahren stellen Wikipedianer eine Liste von Fehlern zusammen, die in den Personendatensätzen der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) gefunden werden (ehemals PND, mittlerweile GND). Die Abarbeitung durch die DNB hängt seit langem stark hinterher. Daher wurde vor einiger Zeit eine offizielle Zusammenarbeit zwischen der DNB und Wikimedia Deutschland beschlossen, die es Wikipedianern erlaubt, Einträge in der Normdatenbank selber zu bearbeiten. Diese Vereinbarung soll nun mit Leben gefüllt werden, indem ein Workshop in den Räumen der DNB durchgeführt wird. Wikipedianer werden an dem Redaktionssystem der DNB geschult, um künftig den Redaktionsrichtlinien entsprechend Änderungen vornehmen zu können.

Dieser erste Workshop richtet sich in erster Linie an Wikipedianer, die bereits Erfahrungen im Bereich der Normdaten gesammelt haben. Zumindest der Unterschied zwischen einem Tp und Tn sollte bekannt sein. :-)

Alle weiteren Details inkl. Anmeldung gibt es auf der Projektseite auf Wikipedia Diskussion:Normdaten#Kooperation mit der DNB - es geht weiter. (ray, 23.2.)